Die Ausstattung

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Die Ausstattung der Kirche des Campo Santo Teutonico ist seit den unter Rektor Bernhard Hanssler (1970-1974) von 1972 bis 1974 erfolgten, radikalen Repristinierungs-Arbeiten schlicht. Entfernt wurden dabei der komplexe, unter Rektor Anton de Waal (1876-1917) 1871 bis 1873 von zweitrangigen Künstlern ausgeführte historistische Malereien-Zyklus (Figuren aus der karolingischen Gründungszeit, Heilige, denen Altäre und Kirchen der Nachbarschaft geweiht waren u.v.a.), der Hochaltar (1705/1876), vier weitere Altäre, die Glasfenster (1896, Stiftung des Wiener Kaiserhauses) und auch die Orgel (Stiftung Kaiser Wilhelms II.). Auch wurde der Kirchenboden abgesenkt, ehemalige Fußbodengrabplatten herausgenommen und ein Kellerraum ausgehoben. Des Weiteren ließ man nach vereinheitlichender Renovierung des Mauerwerks, die Pfeiler und Gurtbögen steinsichtig und verputzte lediglich die Wand- und Gewölbeflächen, was die Konstruktionslinien des Kirchenbaus prägnant betont, aber einer Neugestaltung entspricht, da die Pfeiler wie der gesamte Innenraum ursprünglich verputzt waren. Im heutigen Zustand erscheinen die wertvollen Ausstattungsstücke der Kirche als aus ihrer ursprünglichen Einbettung herausgenommene Fragmente.

 

Der Chorraum wird vom kostbaren, fünfteilige Altarretabel bestimmt, das um das Jahr 1500 geschaffen wurde und dessen Bildthemen Grundverständnis und Anliegen der Bruderschaft spiegeln. Das Altarantependium ist eine um 800 datierte, ehemalige Schrankenplatte mit qualitätvollem Vierschlingennetzdekor, die durch ihre Größe und ihren guten Erhaltungszustand besticht. Hoch über dem Altar ist ein großer, Anfang des 16. Jh. datierter Kruzifix auf modernem Holzkreuz angebracht, bei dem nordischer Einfluss zum Tragen kommt. Jesus ist den Gläubigen als Sterbender mit halboffenen Augen gezeigt.

 

Den Eingang zum Chorraum flankieren und dominieren zwei große, barocke Grabmäler aus kostbarem, verschiedenfarbigem Marmor. Es ist jeweils der Tod als Knochenmann vor dunklem, als drapiertem Tuch gestaltetem Stein gezeigt, der ein Porträt des Verstorbenen trägt und von trauernden Putten begleitet ist. Das Grabmonument linkerhand wurde 1679 für den Bildhauer Laurentius Rues (+ 1690) aus Tirol von dessen Schüler Giovanni Battista Gorgi geschaffen, das Grabmal rechterhand für den Prälaten Georg Meisel (+ 1710) aus Bamberg, Kammerherrn und Vertrauten Papst Alexanders VII. In beiden findet sich die Darstellung des Stundenglases als Mahnung, die irdische Zeit gut zu nützen, beiden ist der Spannungsbogen zwischen materieller Üppigkeit und ‚Memento Mori‘ eigen. Die zugehörigen, ursprünglich den Kirchenboden bildenden Grabplatten finden sich zusammen mit anderen ringsum in die Kirchenwände eingelassen. Nennenswert ist zudem das Epitaph des Maler Jacobus de Hase (+ 1634) – eine Inschriftenplatte mit darüber sitzendem trauernden Putto, der vom Bernini-Schüler Francois Duquesnoy gestaltet wurde. Es befindet sich am rechten freistehenden Pfeiler.

 

Die Schweizerkapelle links vom Chorraum war ab 1517 Gottesdienstraum der Schweizergarde und Grablege der Hauptleute (Bodenplatten). Der Sakramentsaltar entstand Mitte des 18. Jh.: zwei Säulen aus nero antico rahmen das von Theodor Wilhelm Achtermann im Jahr 1878 ausgeführte große Marmorrelief mit der Darstellung der Auferstehung Christi. Über dem Altar ist der Auferstandene gemalt. Die linke Seit der Kapelle schmückt ein von Polidoro da Caravaggio um 1522/23 geschaffener Freskenzyklus mit Darstellungen aus der Passion Chisti: Abendmahl, Christus am Ölberg, Christus vor Pilatus, Geißelung, Kreuzigung, Dornenkrönung, Kreuztragung, Beweinung, Auferstehung. Den Auftrag gab der Gardehauptmann Kaspar Röist aus Zürich, der 1527 beim Sacco di Roma ums Leben kam. Ab 1780 schuf Liborio Marmorelli einen Freskenzyklus mit Szenen aus der Josephsgeschichte in adäquatem Dekorationsschema: Joseph wird verkauft, Josephs Brüder mit dem blutigen Rock, Joseph wird in den Brunnen geworfen, Joseph deutet die Träume der Mitgefangenen, Joseph vor dem Pharao, Joseph wird Herr über Ägypten. Darüber befindet sich ein Fragment mit der Marienkrönung durch die Dreifaltigkeit.

 

Die Kapelle rechts vom Chorraum schmückt ein großformatiges Weihnachtsbild, das wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von der Hand eines Spätnazareners geschaffen wurde. Am linken freistehenden Kirchenpfeiler ist eine marmorne Ablasstafel (vgl. Foto) vom Anfang des 18. Jh. angebracht: ein Putto breitet ein Tuch vor sich aus, auf dem alle dem Campo Santo Teutonico gewährten Ablässe aufgelistet sind. Die Rückapsis schmückt die 1895 von Rodolfo Zaccagnini geschaffene, freistehende Skulptur des Christus an der Geißelsäule. Über dem Eingang zur Sakristei ist eine bemerkenswerte, wohl von einem süddeutschen Künstler vom  Anfang des 15. Jh. stammende Kreuzigungsdarstellung angebracht.

 

Das große Bronzeportal, durch das man vom Friedhof her die Kirche betritt, schuf Elmar Hillebrand und wurde 1957 vom Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet. Zentrale Darstellungen sind Maria mit Kind auf dem linken und der Auferstandene auf dem rechten Türflügel. Den Türknauf schmückt das stilisierte Monogramm Karls des Großen. Der Auftrag steht in Zusammenhang mit den Ausschreibungen für die vier modernen Eingangsportale des Petersdoms im Jahr 1947.

 

Informationen zur Kirche des Campo Santo Teutonico, zu ihrer Baugeschichte und zu allen Kunstwerken, finden Sie in: Tönnesmann, Andreas/Fischer Pace, Ursula V.: Santa Maria della Pietà. Die Kirche des Campo Santo Teutonico in Rom. Herder: Rom/ Freiburg/ Wien, 1989 - RQ 43. Supplement-Heft (Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte), Bd. 2, ISBN 978-3-451-20882-9.

 

Gottesdienste-03

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